Was ist Judo?

Judo wie es heute hier in Deutschland betrieben wird, ist eine perfekte Form sich fit zu halten und Körper und Geist zu schulen. Durch die Anforderungen an die körperliche Fitness, die geistige Beweglichkeit, Konzentration und Disziplin lernt man auf der Judomatte viele Dinge die im ‘richtigen’ Leben nützlich sind. Dabei ist man durch das Regelwerk und die Fürsorge der Trainingspartner gut geschützt, so dass ernsthafte Verletzungen glücklicherweise nur sehr selten vorkommen.

Judo wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert von dem Japaner Jigoro Kano (1860 – 1938) entwickelt. Es ist eine als moderne Wettkampfform gedachte Adaption der klassischen japanischen Kampfkünste wie Jiu Jitsu. 1882 wurde von Kano dann eine eigene Schule, der Kodokan (Ort des Lernens), gegründet. Diese ist bis heute der ‘Nabel’ der Judo-Welt und wird weltweit als Richtschnur für viele Judo-Verbände gesehen.

Training beim VDS Nievenheim

Das Wort Judo setzt sich zusammen aus den Wörtern ‘Ju’ = nachgeben, biegen und ‘Do’ = Weg, Prinzip. Es wird also mit ‘Prinzip des Nachgebens’ oder – bekannter – mit ‘sanfter Weg’ übersetzt.

Was steckt dahinter – die Theorie

Zwei Prinzipien bestimmen das Training und das Anwenden der Judotechniken: Das technische und das moralische Prinzip.

1. Technisches Prinzip (Sei-Ryoku-Zen-Yo)

  • Ausnutzen der Bewegung des Gegners und des eigenen Schwungs
  • das eigene Gewicht und die eigene Kraft optimal einsetzen
  • Anwenden der Hebelgesetze
  • Schwachpunkte des Gegners erkennen und nutzen

Es geht also darum, eine maximale Wirkung bei einem minimalen Aufwand durch optimales Ausnutzen der vorhandenen Energie zu erzielen. Kraft ist dabei gar nicht die entscheidende Größe.

2. Moralisches Prinzip (Ji-Ta-Kyo-Ei)

Das Prinzip “Gegenseitiges Helfen und Verstehen für den wechselseitigen Fortschritt und das beiderseitige wohlergehen” zeigt deutlich den Respekt und die Verantwortung gegenüber Uke (der Übungspartner). Ohne freiwillige Hilfe des Partners ist Judo nicht möglich. Damit ist man nicht nur für sich selbst, also den eigenen Fortschritt und sein eigenes Wohlergehen verantwortlich, sondern auch für das seines Partners: Judo ist auch ein Erziehungssystem.

Geschichte des Judo

Begründer das Judos war Jigoro Kano (1860 – 1938). Er entwickelte das Judo aus Teilen der verschiedenen Schulen des Jiu-Jitsu sowie aus selbst entwickelten Elementen.

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Die Zeit vor der Gründung des Kodokan

Jigoro Kano wurde am 28. Oktober 1860 als Spross einer verarmten Familie des niederen Adels in Mikage in der Nähe von Kyoto geboren. Im Alter von zehn Jahren zog die Familie nach dem Tod der Mutter nach Tokio. Dort zeigte sich Kanos Begabung für Fremsprachen und er besucht zunächst eine Fremssprachenschule und begann im Jahre 1877 an der Universität Tokio zu studieren. Aufgrund seiner eher schwächlichen Statur wurde er öfters ein Opfer von Angriffe durch gleichaltrige Jugendliche. Deswegen begann er zeitgleich mit dem Studium des Jiu Jitsu. Trotz das er nicht über eine gute Gesamtkonstitution verfügte, wechselte er 1877 zur Tenjin Shinyo-Ryu unter dem Sensei Fukuda Hachinosuke. Hachinosukes Schwerpunkt war das Randori. Hachinosuke starb 1879 und so wechselte Kano zu Iso Masamoto, dessen Schwerpunkt Kata war. Nachdem Masamoto erkrankte, wechselte Jigoro Kano erneut die Schule. Diesmal liess er sich von Iikubo Kuwakichi von der Kito-Ryu ausbilden, welcher auf Wurftechniken spezialisiert war. Nachdem er seinen Lehrer im Randori besiegte, erhielt er die ‘Menkyo Kaiden’, den Titel des Großmeisters mit Lehrerlaubnis.

Enstehung des Judo

Während seiner Zeit in der Kito-Ryu emtwickelte er bereits die ersten eigenen Würfe (Bekannt sind Kata Guruma und Uki Goshi). Dabei entstand die Idee, das Jiu Jitsu, das nach der Meji-Restauration in den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts als rückständig galt, wieder attraktiver zu machen. Dem Training des Geistes sollte dabei eine höhere Bedeutung zukommen. Er Verband dabei mitels wissenschaftlicher Prinzipien sowohl die geistige als auch die Körperliche Ausbildung seiner Schüler. Ihm war dabei der möglichst effiziente Einsatz von körperlicher und geistiger Energie wichtig.
Er fasste dies zu den zwei Prinzipien des Judo zusammen: dem technischen Prinzip (Sei-Ryoku-Zen-Yo) – maximale Wirkung bei einem minimalen Aufwand durch optimales Ausnutzen der vorhandenen Energie – und dem moralischen Prinzip (Ji-Ta-Kyo-Ei) – gegenseitiges Helfen und Verstehen für den wechselseitigen Fortschritt und das beiderseitige Wohlergehen.
1881 schloss Kano sein Studium ab und begann als Literaturlehrer an einer Schule in Tokio. Im darauffolgenden Jahr, 1882, eröffnete Jigoro Kano dann mit neun seiner Schüler im Eishoji-Tempel sein erstes Dojo. Er nannte seine Schule ‘Kodokan’, frei übersetzt ‘Lehrhalle des Weges’. Das Dojo war äußserst klein. Es umfasste nur 12 Tatami.
Was Kano in dieser Zeit an seine Schüler weitergab, war aber noch nichts völlig neues. Der Prozess der Entstehung bzw. Entwicklung des Judo dauert noch die nächste Jahre. Bereits ein Jahr nach der Gründung musste das Dojo umziehen. Die Priester des Tempels waren nicht mehr bereit, den Lärm des Trainings und des Fallens zu akzeptieren. Das neue Dojo war etwas größer und umfasste schon 20 Tatami.
Im Jahre 1884 war Kano mit der Entwicklung seiner Kampfkunst so weit, das er anfing sie niederzuschreiben. Die erste Satzung des Kodokan entstand. Er nannte sein ‘System’ ‘Kodokan-Judo’.

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Die weitere Entwicklung

Kano war ein strenger Lehrmeister. Er legte sehr viel Wert auf Disziplin, sorgte aber für seine Schüler. Der Unterricht war kostenlos und die Schüler wurden mit Tee und Reis bewirtet. Andere Ryu (Schulen) machten sich über ihn lustig oder sprachen sehr geringschätzig über ihn und seine Schüler. Besonders hervor tat sich in dieser Hinsicht die Ryo Shinto-Ryu. Es kam zu provozierten Zusammstössen zwischen den Schülern beider Schulen. Im Jahr 1886 spitzte sich die Situation zu. Die Kaiserliche Polizei suchte eine Kampfkunst für ihre Polizisten. Das System der besten, erfolgreichsten Schule sollte dazu ausgewählt werden. So kam es zu Vergleichskämpfen und am Ende standen sich die Schulen Kanos und die Ryu Shinto-Ryu gegenüber. Der Ergebnis war überdeutlich: von den 15 Kämpfen gab es 13 Siege für den Kodokan und zwei Unentschieden. Der in diesen Kämpfen ausgeübte Kampfsport war aber (noch) nicht das Judo, das wir heute als Sportjudo kennen. Zusätzlich
zu den Würfen (Nage Waza) und den Bodentechniken (Katame Waza) gab es die Gruppe der Schlag-, Tritt- und Stoßtechniken (Atemi Waza). Diese sind – auch wenn heute nur noch wenig bekannt – immer noch Teil des Judo und nur im Wettkampfjudo eingeschränkt.
Jigoro Kano arbeitete weiter und perfektionierte das Judo. Die Go-Kyu wurde entwickelt und die ersten Kata niedergelegt. Ab 1894 wurde der Kodokan nciht mehr von ihm allein, sondern von den neu gegründeten Kodokan-Rat geleitet. Im Jahre 1909 wurde der Kodokan in eine Stiftung umgewandelt, dessev Vorsitzender Kano wurde. 1911 gründete Jigoro Kano den Vorläufer des japanischen nationalen Olympischen Komitees und wurde dessen erster Präsident.
1930 wurden dann die ersten japanischen Judo-Meisterschaften veranstaltet.
Kano reiste viel in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Zum einen, um die Sportart Judo bekannt zu machen (auch viele seine bekannten Schüler wie Kawaishi und Mifune taten dies.), zum anderen um Judo als olympische Sportart zu etablieren und zum Schluss weil er den Traum hatte, die Olympischen Spiele im Jahr 1940 nach Tokio zu holen. Auf der Rückreise von Europa, wo er das Internationale Olympische Komitee besucht hatte, starb Jigoro Kano am 4. Mai 1938 an Bord des Schiffes Hikawa Maru im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Er musste nicht mehr erleben, das sein Traum – die Olympischen Spiele von 1940 in Tokio – auf Grund des II. Weltkrieges platzte. Erst 1964 fanden die Spiele in Tokio statt – dort wurde Judo auch zum ersten Mal olympische Sportart. Seit den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona gehört auch das Frauenjudo dazu. Weltmeisterschaften werden aber schon seit 1956 ausgetragen.

Judo in Deutschland

In Deuschland wurde 1922 der erste Deutsche Judoverein von Alfred Rhode in Frankfurt am Main gegründet. 1926 fand die erste deutsche Judo / Jiu Jitsu-Meisterschaft statt. Im Jahre 1932 wurde dann der Deutsche Judo Ring, der Vorläufer des Deutschen Judo Bundes (DJB) gegründet. 1933 gab Jigoro Kano in Berlin und München, als er mit ein paar seiner Schüler auf eienr Europareise in Deutschland station machte.
Während der Zeit des Nationalsozialismus war Judo als eigene Sportart nicht mehr präsent. Es war Teil der Fachrichtung Schwerathletik. Nach dem zweiten Weltkreig untersagten die Alliierten die Ausübung des Judosportes. Erst 1948 wurde das Verbot aufgehoben. Die ersten Deutschen Meisterschaften nach dem Krieg fanden wieder 1951 statt. 1970 gab es dann die ersten Deutschen Meisterschaften im judo der Frauen.
Seitdem gab es bereits einige sehr erfolgreiche deutsche Judokas. Es gab einige Weltmeistertitel, zum Teil noch durch Athleten der DDR. Olympiasiegerinnen und -sieger gab es aber erst fünf: Dietmar Lorenz (1980), Frank Wieneke (1984), Udo Quellmalz (1996), Yvonne Bönisch (2004) und Ole Bischof (2008).

 

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