Kata

Die Kata – die hohe Schule des Judo!

 

“Kata und Randori sind wie die beiden Räder eines Karrens. Das eine kann ohne das andere als ganzes nicht funktionieren.” (Jigoro Kano)

Was ist Kata?

In der Kata sind Methode und Möglichkeiten festgelegt um Techniken und Prinzipien zu üben und diese durch Festlegung in einem Formen-Schema möglichst genau auf möglichst viele Übende zu übertragen.

Welche Kata gibt es?

Es gibt verschiedene Kata mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Innerhalb dieser Schwerpunkte gibt es eine weitere Unterteilung nach Technikgruppen. So gibt es z. B. innerhalb des Schwerpunktes Randori eine Nage-No-Kata (Form des Werfens) und eine Katame-no-kata (Form der Bodentechniken).

Nachfolgend findet ihr eine Übersicht der gebräuchlichsten Judo-Kata:

- Kata mit dem Schwerpunkt Randori (Randori-no-kata):
- Nage-No-Kata
- Katame-No-Kata
- Gonosen-No-Kata
- Nage-Ura-No-Kata

- Kata mit dem Schwerpunkt Selbstverteidigung (Shobu-no-kata):
- Kime-No-Kata
- Kodokan-Goshinjistu
- Kime Shiki
- Joshi Goshinho

- Kata mit dem Schwerpunkt körperliche Ertüchtigung (Rentai-no-kata):
- Ju-No-Kata
- Go-No-Kata
- Sei-Ryoku-Zen’yō Kokumin-Taiiku

Kata mit dem Schwerpunkt Theorie (Ri-no-kata):
- Itsutsu-No-Kata
- Koshiki-No-Kata
Wofür brauche ich Kata?
Die Kata bietet den Judoka die Möglichkeit, unter optimalen Bedingungen die Reinform der geforderten Technik zu erlernen. Diese Grundlage wird dann im Randori zur Wettkampfform weiterentwickelt.
Lange Zeit war die Kata jedoch nur eine ‘Randerscheinung’ im Judo und für viele Judoka nur für Dan-Prüfungen von Interesse. Erst mit der Umgestaltung der Prüfungsordnung in den späten 90ern des letzten Jahrhunderts hat sich das geändert und die Kata rückte wieder stärker in den Focus. Mit der neuen Kyu-Prüfungsordnung (ab August 2005) werden für die Prüfung zum dritten (grün), zweiten (blau) und ersten Kyu (braun) jeweils eine andere Gruppe der Nage-No-Kata verlangt. Die Kata stellt dabei so etwas dar wie die ‘Grammatik’ des Judo, wohingegen das Randori bzw. der Kampf die ‘freie Schriftstellerei’ ist. Für die Prüfung zum ersten Dan muss die Nage-No-Kata komplett und in vollendeter Form vorgeführt werden. Dabei ist derzeit die Kodokan-Version aktuell.
Die Nage-No-Kata im Überblick
Die Nage-No-Kata besteht aus fünf Gruppen zu je drei Würfen. Diese Gruppen werden nach den Wurfprinzipien unterteilt.

  • Gruppe: Te-waza (Handwurftechniken)
  • Uki-goshi (Schwebesturz)
  • Seoi-nage (Schulterwurf)
  • Kata-guruma (Schulterrad)
  • Gruppe: Koshi-waza (Hüftwurftechniken)
  • Uki-goshi (Hüftschwung)
  • Harai-goshi (Hüftfeger)
  • Tsuri-komi-goshi (Hebezughüftwurf)
  • Gruppe: Ashi-waza (Bein-/Fußwurftechniken)
  • Okuri-ashi-barai (Fußnachfegen)
  • Sasae-tsuri-komi-ashi (Fußstoppwurf oder Hebezugfußhalten)
  • Uchi-mata (innerer Schenkelwurf)
  • Gruppe: Ma-sutemi-waza (gerade Opferwürfe)
  • Tomoe-nage (Kopfwurf)
  • Ura-nage (Rückwurf)
  • Sumi-gaeshi (Eckenkippe [vorwärts])
  • Gruppe: Yoko-sutemi-waza (seitliche Opferwürfe)
  • Yoko-gake (seitliches Einhängen / seitlicher Körpersturz)
  • Yoko-guruma (Seitrad)
  • Uki-waza (Schwebe(wurf)technik)

 

Die Nage-No-Kata in der Kyu-Prüfungsordnung
Entscheidend für die Kyu-Prüfungen ist die korrekte technische Ausführung der Techniken. Der für die Prüfung zum ersten Dan sehr wichtige formelle Aufbau hat dabei noch nicht das Gewicht.
Für den dritten Kyu muss die Gruppe der Koshi-Waza gezeigt werden.
Beim zweiten Kyu soll die Gruppe der Ashi-waza gezeigt werden.
Zur Prüfung für den ersten Kyu wird die Gruppe der Te-Waza verlangt.
Weiter unten auf dieser Seite werden wir nach und nach die einzelnen detailliert Gruppen vorstellen.

Bei der Prüfung zum 2. Dan gehört die Katame-No-Kata zum Programm.
Diese Kata besteht aus drei Gruppen mit jeweils fünf Bodentechniken. Die erste Gruppe sind Haltegriffe:
Kuzure-Kesa-Gatame, Kata-Gatame, Kami-Shio-Gatame, Yoko-Shio-Gatame und Kuzure-Kami-Shio-Gatame.
Als zweite Gruppe folgen die Würgetechniken: Kami-Juji-Jime, Hadaka-Jime, Okuri-Eri-Jime, Kata-Ha-Jime und Nami-Juji-Jime.
In der letzten Gruppe sind die Hebel: Ude-Garami, Juji-Gatame, Ude-Gatame, Hiza-Gatame und Ashi-Gatame.

 


 

Die Nage-No-Kata (nach Kodokan)

Hier stellen wir die Gruppen der Kata einzeln und dezidiert vor. Grundlage ist dabei die Version der Nage-No-Kata nach Kodokan, die auch Grundlage für die Kyu- und Dan-Prüfung des Deutschen Judobundes ist.
Die Nage-No-Kata wurde 1884-85 von Jigoro Kano selbst entwickelt. Sie besteht aus 15 Techniken, eingeteilt in fünf Gruppen zu drei Würfen.
Alle Techniken werden jeweils rechts und links gezeigt. Mit Ausnahme des Uki-goshi werden die Würfe von Tori zuerst rechts und dann links ausgeführt.
Grundsätzlich beginnen die Techniken mit einem Angriff von Uke, Tori reagiert, übernimmt diesen Angriff und schließt mit einer eigenen Technik ab. Ukes Angriffsarten können wie folgt systematisiert werden:

  • Standard-Kumi-kata (Standard-Fassart an Revers und Ärmel)
  • Atemi-waza (Schlagtechnik)
  • Migi-jigotai (tiefe Verteidigungstechnik)

Bei den Techniken, die mit Kumi-kata begonnen werden, ist der Ablauf und Aufbau der Techniken dabei immer gleich:

  • Uke möchte angreifen, versucht Tori zu fassen und geht einen Schritt vorwärts. Tori erkennt dies und fasst nahezu gleichzeitig zu. Dabei macht er einen Schritt rückwärts. Dies dient als Ausweichbewegung auf Ukes Angriff und leitet den Übergang von Reaktion zu Aktion ein.
  • Tori übernimmt die Aktion und führt einen weiteren Schritt rückwärts (bzw. seitwärts oder in der Kreisbewegung, je nach Wurf) aus und ‘nimmt Uke mit’. Dadurch erfolgt der Gleichgewichtsbruch (Kuzushi).
  • Mit dem dritten Rückwärtsschritt stellt Tori die Wurfposition her und wirft ab (Kake).

Bei den Schlag-Techniken nimmt Uke den Schlagarm senkrecht nach oben und zielt beim Schlag auf Toris Stirn. Die Schläge unterscheiden sich je nach Technik durch unterschiedliche Stärke.
Die Jigotai-Techniken beginnen in der tiefen Verteidigungsstellung und werden durch einen von Uke eingeleiteten Gleichgewichtsbruch begonnen.
Der Kata (jeder Kata) liegt ein sehr zeremonieller Ablauf zugrunde. Sie ist sehr formell und sollte ruhig ausgeführt werden. Es ist kein kampf- oder randorigerechtes Judo, sondern vielmehr die ‘grundlegende Form’ der Technik (hier: Würfe). Als solcher kommt der korrekten Ausführung der Technik die entsprechende Bedeutung zu. Für das Training bedeutet das: Erst die Techniken sauber beherrschen, dann die Zeremonie üben. Um eine Kata gut wirken zu lassen, sollte Uke nicht mitspringen, sondern in Gegenteil versuchen Tori ernsthaft anzugreifen. Nur dann hat er die notwendige Körperspannung und den Schwung damit Tori die Würfe sauber ausführen kann. Ukes Körperspannung ist bei allen Techniken einer der Schlüssel zum Erfolg!
Alle Schritte auf der Matte werden als schleifende Schritte (Tsugi-Ashi) ausgeführt. Gleichzeitig werden die Füße nur nachgestellt (Die Füße ‘überholen’ einander nicht). Nach jeder Technik gibt Tori den Ausgangspunkt für die nächste Technik vor. Uke geht zu Tori hin und schafft den richtigen Abstand für die nächste Technik.

 

Aufmarsch und Eröffnung

Der Aufmarsch und die Eröffnung sind für alle Kata gleich. Tori befindet sich von Joseki gesehen immer rechts. Uke und Tori marschieren locker bis auf Höhe der Kata-Achse auf Joseki zu. Der Abstand der beiden beträgt dabei ca. acht Meter.

Danach wenden sich beide einander zu und grüßen mit einer Verbeugung im Stehen die Matte an (Ritsu-Rei). Dabei berühren sich die Fersen und die Füße sind in einem Winkel von ca. 90 Grad geöffnet. Die Hände rutschen locker an den Oberschenkeln hinab bis knapp über das Knie. Der Hals bleibt steif, der Blick neigt sich mit Verbeugen des Oberkörpers auf den Boden.
Anschließend machen beide einen Schritt aufeinander zu, drehen sich zu Joseki und verbeugen sich ebenfalls im Stand mit gleicher Körperhaltung.

Daraufhin wenden sich Uke und Tori wieder einander zu und knien ab. Dabei wird das linke Knie zuerst runtergesetzt und danach das rechte. Die Zehen bleiben aufgestellt und werden erst gestreckt, wenn man sich auf die Unterschenkel setzt. Die Oberschenkel sind soweit geöffnet, dass zwei Fäuste nebeneinander dazwischen Platz finden würden, die Hände ruhen auf den Oberschenkeln.
Daran an schliesst sich die Verbeugung im Sitzen (Za-Rei). Dazu werden die Hände fast in Dreieckform vor dem Körper auf den Boden gesetzt und sich dabei verbeugt. Beim Aufstehen werden zuerst die Zehen aufgestellt und dann mit dem rechten Bein zuerst aufgestanden.

Als letztes Element folgt hier der Eröffnungsschritt. Dabei machen Uke und Tori einen energischen Schritt mit links nach vorn. Sie stehen dabei mit den Füßen etwa schulterbreit geöffnet. Der Abstand jetzt sollte ca. vier Meter betragen.
Der Blick ist während der ganzen Eröffnung geradeaus gerichtet.

 

Kleiderordnen

Nach jeder Technik werden beiläufig auf dem Weg zum Ausgangspunkt für die nächste Technik ruhig und unauffällig die Kleider geordnet.
Nach Abschluss einer Technikgruppe begeben sich beide nach der Linksausführung des letzten Wurfes der Gruppe in die Ausgangsposition der Kata nach der Eröffnung. Auf dem Weg dahin werden die Kleider bereits geordnet. Dies sollte abgeschlossen sein, wenn die Position erreicht ist. So synchron wie möglich (Üben!) drehen sich beide um, wobei darauf geachtet werden muss, das keiner Joseki den Rücken zukehrt. Danach wird entweder mit der nächsten Gruppe begonnen oder der Abschluss und Ausmarsch durchgeführt.
Alle hier erläuterten Techniken werden in der rechts-Ausführung beschrieben mit Ausnahme des Uki-goshi. Die zweite Ausführungsform entspricht der ersten, nur spiegelverkehrt.

 

1. Gruppe: Te-waza (Handwurftechniken)

Die Gruppe der Te-waza-Techniken besteht aus Uki-otoshi (Schwebesturz), Seoi-nage (Schulterwurf) und Kata-guruma (Schulterrad)

Uki-otoshi
Nach der  Eröffnung geht Uke zwei kleine Schritte vor, wobei der linke Fuß zuerst gesetzt wird. Dieses ist sein Ausgangspunkt für die erste Technik. Tori geht nun im Tsugi-ashi-Schritt auf Uke zu und bleibt eine gestreckte Armlänge entfernt vor Uke stehen.
Beide verharren einen Augenblick bis Uke seinen Angriff startet.
Uke greift mit der rechten Hand an Toris Revers und mit der linken Hand an Toris rechten Arm auf Höhe des Ellenbogens. Ukes rechter Arm ist gestreckt, Uke symbolisiert damit, dass er Tori nach hinten schiebt. Der linke Arm ist durch die verkürzte Distanz beim Greifen angewinkelt, der Ellenbogen ist dabei auf Schulterhöhe nach außen gedreht. Ukes Griff erfolgt zeitgleich mit seinem ersten Schritt rechts vor. Tori greift unmittelbar nach Uke mit derselben Fassart und übernimmt dessen Schrittbewegung. Die Füße überholen dabei einander nicht, die Schritte erfolgen im Tsugi-ashi-Stil.
Beim zweiten Schritt geht Toris Bewegung über von der Reaktion in die Aktion. Er überführt die Schiebebewegung in eine Zugbewegung und macht gemeinsam mit Uke einen zweiten Schritt. Beim dritten, relativ ausladenden Schritt, nimmt Tori nur noch sein linkes Bein nach hinten, kniet dieses Schulterbreit ab und setzt dabei den Fuß schräg nach hinten in Verlängerung seines rechten Fußes.  So bildet er im Kniestand ein stabiles Dreieck und kann sein Gleichgewicht gut halten. Uke macht mit dem rechten Bein seinen dritten Schritt vorwärts und wird dabei von Tori mit beiden Händen nach schräg vorne unten gezogen. Toris Blick bleibt geradeaus gerichtet, die linke Schulter bleibt steif. Nach Abschluss der Zugbewegung ruht Toris rechte Hand auf seinem rechten Oberschenkel.
Entgegen der früher unterrichteten Form weicht Tori nicht mehr seitlich aus!
Uke fällt über sein rechtes Bein unter ca. 45 Grad zur Kata-Achse nahezu einen freien Fall.
Der Schlüssel zum Erfolg ist bei dieser Technik die Körperspannung von Uke sowie dessen letzter Schritt.
Uke muss während der ganzen Technik seine Körperspannung erhalten. Bei seinem letzten Schritt darf sein rechter Fuß Toris rechten Fuß auf keinen Fall überholen. Nur so ist ein natürliches Brechen des Gleichgewichtes möglich. Wann Uke den rechten Fuß von Tori überholt, also seinen letzten Schritt zu groß  ausführt, steht er im stabilen Stand und kann nicht mehr geworfen werden.

Seoi-nage
Nach der Linksausführung gehen Tori und Uke zum Ausgangspunkt für die zweite Technik der Te-waza, dem Seoi-nage.
Der Seoi-nage wird in der Matten-Mitte ausgeführt und wird durch eine Schlagtechnik von Uke eingeleitet. Tori und Uke stehen etwa 1,8 Meter auseinander, das genaue Maß ist stark abhängig von der Körpergröße. Im Training sollte der ideale individuelle Abstand ausprobiert werden.
Uke hebt den rechten Arm senkrecht und gestreckt nach oben über den Kopf. Der linke Arm wird abgewinkelt nach vorne auf Bauchhöhe zur Verteidigung gegen mögliche Angriffstritte gehalten. Der linke Fuß eröffnet den ersten Schritt. Diese 3 Bewegungen erfolgen zeitgleich. Der rechte Fuß wird nun nach vorne geführt und der rechte Arm wird zu einem heftigen Schlag nach unten geführt. Das Ziel ist dabei Toris Stirn. Während Uke seinen rechten Fuß vorsetzt eröffnet Tori seine Aktion.
Tori setzt seinen rechten Fuß vor um seine Eindrehtechnik in den Seoi-nage einzuleiten. Dabei ergreift er mit seiner linken Hand von innen Ukes Schlagarm (nicht den Ärmel, sondern den ganzen Arm greifen). Durch diese Bewegungen bringt sich Tori erstens aus der Schlagrichtung und blockiert zweitens Ukes Arm und hindert ihn damit eine eventuelle Würgetechnik einzuleiten.
Uke setzt nun seinen linken Fuß erneut vor und beendet seinen Schlag. Dabei ist wichtig, dass der Schlag bis zum Ende ausgeführt wird um den für Toris Wurf notwendigen Schwung nach vorne zu erhalten.
Tori beendet seine Eindrehbewegung. Sein linker Arm hat Ukes Schlagarm in Wurfrichtung weitergeführt, sein rechter Arm wird unter Ukes Schulter durchgeführt und die Hand liegt von außen kommend auf Ukes Schulter. Auch hier wird nicht die Jacke gefasst.
Der Schlüssel für diese Technik liegt in Ukes Körperspannung und darin, dass Uke seinen Schwung in den Schlag legt. Auch ist wichtig, dass Uke sich durch seine ausgeführten Schritte nicht seitlich verdreht.

Kata-guruma
Der Kata-guruma startet wie der Uki-otoshi an Ukes Position nach der Eröffnung. Tori geht nach der Linksausführung des Seoi-nage zum Startpunkt des Kata-guruma und gibt so wieder für Uke die neue Position vor.
Die Technik startet wieder mit Ukes Kumi-kata wie bei Uki-otoshi. Nach dem ersten gemeinsamen Schritt wechselt Tori jedoch den Griff seiner linken Hand. Er führt seine Hand unter Ukes Arm durch auf die Innenseite des Arms und ergreift diesen auf Höhe der Armbeuge. Es wird nur der Arm, nicht die Jacke gegriffen. Dieses Umgreifen erfolgt beim zweiten Links-rechts-Schritt. Beim dritten Schritt dreht sich Tori beim zurücknehmen seines linken Beins seitlich weg. Er steht nun im 90-Grad-Winkel zu Ukes Bewegungsrichtung. Sein linker Arm zieht an Ukes rechten Arm und bricht so dessen Gleichgewicht. Uke beendet seinen dritten Schritt und bleibt auf den Zehenspitzen stehen. Tori senkt seinen Körperschwerpunkt stark ab, seine rechte Schulter berührt Uke auf Höhe der Hüfte, so dass er unter Ukes Schwerpunkt kommt. Toris rechter Arm greift zwischen Ukes Beinen durch und umklammert Ukes rechten Oberschenkel. Durch Zug mit dem linken Arm wird Uke auf Toris Schultern gelegt und Tori richtet sich auf. Tori steht nun breitbeinig parallel zur Kata-Achse und Uke ruht auf Toris Schultern. Tori schließt die Beine durch anziehen des linkes Beins und schafft so den nötigen Platz um Uke nach links vorne abzuwerfen. Uke fällt unter etwa 45 Grad zur Kata-Achse.
Bei dieser Technik gibt es mehrere entscheidende Punkte zu beachten.
- Uke muss nach dem letzten Schritt im Zehenstand verweilen um den Körperschwerpunkt möglichst hoch zu haben.
- Uke muss steif wie ein Brett auf Toris Schultern liegen. Dann ist er für Tori deutlich leichter.
- Uke stützt sich mit seiner freien Hand hinten an Toris Hüfte ab. So kann Tori ihn besser ausbalancieren.
Tori muss seinen Körperschwerpunkt tief absenken und Uke mit der rechten Hand stark an sich heranziehen.

Zu Beginn des Kata-guruma-Trainings hat Tori oft den Eindruck, er könne Uke nicht ausheben. Als Grund wird hierfür oft Ukes Gewicht angegeben.
Tatsächlich kann jedoch mit der richtigen Technik ein großer Teil des vermeintlich zu hohen Gewichts von Uke kompensiert werden. Ihr werdet sehen, dass euch der Kata-guruma mit zunehmender Trainingsintensivität und verbesserter Technik immer leichter fällt.

Jetzt folgt das Kleiderordnen.

 

2. Gruppe: Koshi-waza (Hüftwurftechniken)

Die Gruppe der Koshi-Waza-Techniken besteht aus Uki-goshi (Hüftschwung), Harai-goshi (Hüftfegen) und Tsuri-komi-goshi (Hebezughüftwurf). Dabei ist Uki-goshi die erste und einzige Technik in der gesamten Nage-No-Kata welche zuerst links geworfen wird.

Uki-goshi
Nach der Eröffnung (bei Kyu-Prüfungen für den dritten Kyu) oder dem Kleiderordnen (bei Vorführungen der gesamten Nage-No-Kata) wird der Abstand von Uke zu Tori auf ca. 1,8 Meter (je nach Schritt- und Körpergröße der Partner) verringert (Schleifende Schritte zwischen den Würfen nach vorn immer mit links beginnend). Vor Ausführung des Wurfes ruhen Uke und Tori einen Moment.
Uke greift an und beginnt die Wurfsequenz mit seinem linken Fuß. Mit dem rechten ausgestreckten Arm versucht er von oben nach unten auf Toris Kopf zu schlagen. Tori reagiert bevor dieser mit seinem Schlag treffen kann und kommt Uke mit einem Schritt links vor (leicht diagonal) entgegen. Er senkt die Schulter um dem Angriff auszuweichen. Dabei greift Tori mit der linken Hand um Ukes Hüfte, setzt den rechten Fuß nach hinten parallel zum linken und fasst mit der rechten Hand Ukes linken Ärmel ungefähr in Höhe des Ellenbogens. Tori wirft durch eine Drehung nach rechts Uki-goshi. Uke hebt dabei nicht vom Boden ab wie bei O-goshi. Ein weiterer Unterschied zum O-goshi ist die Endposition von Toris linker Hand sowie die Positionen von Uke und Tori zueinander. Toris Hand ruht beim Uki-goshi auf Ukes Hüfte (beim O-goshi auf dem Schulterblatt). Die Position zueinander ist eher Seite-Bauch-Kontakt (bei O-goshi ist es Rücken-Bauch-Kontakt). Tori dreht sich also nicht so weit ein.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt hierbei im richtigen Timing des Wurfeingangs sowie in Ukes Körperspannung. Anders als beim Seoi-nage schlägt Uke jedoch nicht voll durch sondern bremst seinen zweiten Schritt links vorwärts auf Höhe des rechten Fußes. Auch endet die Schlagbewegung auf Höhe des gedachten Ziels, der Stirn. Dieses symbolisiert eine Entwicklung in Ukes Angriffstechniken, da Uke ja aus der Erfahrung des Seoi-nage weiß, dass er bei einem vollen Schlag mit Seoi-nage geworfen würde. Dieser Technik will er mit dem geänderten Schlag entgehen.

Harai-goshi
Der Harai-goshi startet wieder an Ukes Position nach der Eröffnung.
Der Abstand (durch Uke nach dem Aufstehen hergestellt) beträgt für den Harai-Goshi eine Arm- bzw. Schrittlänge. Uke greift wie bei Uki-otoshi bzw. Kata-guruma an und setzt seinen rechten Fuß nach vorn. Gleichzeitig versucht er Tori in der normalen rechten Griffauslage zu fassen. Tori übernimmt, geht mit links zurück.
Beim zweiten Schritt mit links zurück wechselt Tori die Position seiner rechten Hand. Dabei fasst Tori mit seiner rechten Hand unter Ukes linker Achsel und legt seine Hand flach auf Ukes rechtes Schulterblatt.
Tori zieht Uke mit der linken Hand und dem Druck der rechten Hand nach vorn aus dem Gleichgewicht. Jetzt folgt der dritte Schritt rechts vor für Uke. Tori geht links zurück und setzt seinen linken Fuß dabei in einem Bogen schräg hinter den eigenen rechten Fuß. Uke wird durch Zug nach vorn (Gleichgewichtsbruch) zu einem kleinen Schritt mit rechts gezwungen. Tori hat engen Kontakt mit seiner Hüfte an Ukes unteren Bauch.
Tori steht nun mit Rücken-Bauch-Kontakt zu Uke und blickt in die gleiche Richtung. Er schwingt mit seinem gestreckten rechten Bein nach hinten oben und fegt Ukes rechtes Bein von außen nach oben. Wichtig ist dabei, dass das Bein gestreckt ist. Uke fällt und kommt mit den Füßen auf der Kata-Achse auf.
Bei dieser Technik sind wieder Ukes Körperspannung sowie der Gleichgewichtsbruch von hoher Bedeutung.

Tsuri-komi-goshi
Tori befindet sich jetzt schon an der richtigen Position für die Ausführung der dritten Technik, Tsuri-komi-goshi. Uke steht auf und dreht sich um und stellt den Abstand zu Tori her (ca. Arm- / Schrittlänge). Uke beginnt indem er versucht Tori in normaler Rechtsauslage zu fassen. Dabei geht er rechts vor. Tori reagiert wieder und fasst mit links Ukes Ärmel und mit rechts hoch in Ukes Kragen (einziger Wurf in der Nage-No-Kata mit dieser Griffhaltung). Tori geht links zurück.
Tori übernimmt die Aktion, geht mit links zurück und zwingt Uke mit rechts vorzukommen. Tori macht einen dritten relativ kleinen Schritt im Bogen links zurück, dreht sich und setzt seinen rechten Fuß vor Ukes rechten Fuß wenn dieser vorkommt. Tori drückt Uke nun mit dem rechten Arm nach oben aus dem Gleichgewicht und dreht sich nach links. Der Oberkörper ist gerade, die Knie werden gebeugt und Tori ist mit seinem Gesäß an Ukes Oberschenkel gepresst. Der rechte Arm ist immer noch gestreckt. Die Position Toris zu Uke ist so, das Uke aufrecht auf den Zehenspitzen steht und nicht nach vorne kippt.
Tori behält die Körperspannung und durch Streckung der Oberschenkel und beugen des Oberkörpers nach vorn (rechter Arm gestreckt) wirft er Tsuri-komi-goshi.
Bei dieser Technik kommt Ukes Körperspannung wieder eine äußerst große Bedeutung bei. Um die Körperspannung zu vergrößern nimmt Uke leicht den Kopf hoch und streckt den Bauch vor ähnlich einer Blockbewegung.

Jetzt folgt das Kleiderordnen.

 

3. Gruppe: Ashi-waza (Bein-/Fußwurftechniken)

In der Gruppe der Ashi-waza sind die Bein-/Fußwürfe zusammengefasst. Die Ausführung erfolgt dabei durch fegen, stoppen oder direkten Wurf über ein Bein. Dies sind die Würfe Okuri-ashi-barai (Fußnachfeger), Sasae-tsuri-komi-ashi (Hebezug-Fußhalten) und Ashi-uchi-mata (Innenschenkelwurf).

Okuri-ashi-barai
Nach Eröffnung bzw. Kleiderordnen gehen Tori und Uke mit Tsugi-ashi in die Mattenmitte bis sie sich auf Armlänge gegenüber stehen.
Der Wurf Okuri-ashi-barai wird zuerst in der Rechtsausführung gezeigt. Uke eröffnet die Gruppe mit dem Griff nach Toris Revers und Tsugi-ashi nach links (aus Ukes Sicht). Tori übernimmt die Aktion und führt Uke mit zwei weiteren Schritten nach rechts. Dabei bleiben die Schultern auf einer Höhe (keine Auf / Nieder Bewegung). Uke zieht die Füße immer auf etwa Schulterbreite nach. Beim dritten Schritt setzt Tori den rechten Fuß leicht auf Uke zu (Stemmschritt). Dabei wird der Fuß mit den Zehen in Wurfrichtung gedreht. Nun drückt Tori mit seinem linken Arm Ukes rechten Arm (Ellenbgen) in dessen Hüfte und fegt mit gestrecktem linken Bein und steifer Hüfte. Die rechte Hand von Tori drückt Uke bei senkrechtem Unterarm nach oben.
Bei dieser Technik ist insbesondere darauf zu achten, dass Uke sich nicht seitlich aus dm Wurf wegdreht, sonst wird ein De-ashi-barai daraus. Tori muss auf seine steife Hüfte, den Annäherungsschritt sowie den in Wurfrichtung gedrehten Fuß achten. Durch das Drehen des Fußes in Wurfrichtung wird der Bewegungsspielraum des fegenden Beins vergrößert, das Wurfbein kann weiter durchgeschwungen werden.

Sasae-tsuri-komi-ashi
Diese Technik beginnt wieder in Ukes Grundposition. Uke greift mit normaler Kumi-kata an und setzt seinen rechten Fuß vor, Tori geht mit Tsugi-ashi links rückwärts und übernimmt die Aktion beim zweiten Rückwärtsschritt. Dabei hält er seine Ellenbogen eng zusammen um Uke zu kontrollieren. Bei Vollendung des zweiten Schritts setzt Tori seinen rechten Fuß nicht mehr wie beim ersten Schritt ab, sondern setzt ihn weiter nach außen zur rechten Seite (ca. 90°-Drehung, Zehen leicht nach innen). Beide Arme ziehen Uke weiter, der Zug erfolgt in Bewegungsrichtung schräg nach oben. Tori befindet sich dabei in einer leichten Rückenlage.
Torís Beine, Oberkörper und Kopf bilden eine Gerade und wirken als schräge Stütze um Uke aus dem Gleichgewicht ziehen zu können.
Uke versucht sein Gleichgewicht wieder zu bekommen und setzt seinen rechten Fuß nach. Dann wird er nach dem Gleichgewichtbrechen nach vorne nun endgültig mit einer Körperdrehung von Tori geworfen. Dazu stoppt Tori Ukes rechtes Bein mit der linken Fußsohle, zieht mit dem linken Arm nach oben und drückt mit rechts nach.
Uke lässt sein Gewicht beim dritten Schritt kurz vor dem Wurf auf seinem rechten Bein stehen. Uke ‚macht sich leicht’ (springt aber nicht mit!) und fällt ähnlich wie bei einem freien Fall. Tori dreht sich bei dem Wurf weiter und schaut Uke hinterher, so dass er in der Endposition eine 180-Drehung in Bezug auf seine ursprüngliche Bewegungsrichtung vollzogen hat. Wichtig sind bei dieser Technik das Timing und wieder einmal die Körperspannung von Uke.

Uchi-mata
Tori und Uke gehen nach dem Aufstehen aufeinander zu. Ausgangspunkt für diese Technik ist die Mattenmitte. Der Abstand beträgt ca. eineinhalb Schritte und beide stehen aufrecht schulterbreit. Uke fasst zuerst und Tori übernimmt den Griff. Dabei erfolgt der Griff mit rechts in das Revers (etwas höher als normal), da sonst keine Drehbewegung mehr möglich ist. Beide setzen den rechten Fuß vor. Tori setzt nun seinen linken Fuß seitlich an Uke vorbei, nimmt den rechten Fuß zurück und leitet so eine Drehbewegung um die eigene Achse ein. Tori zieht dabei Uke mit rechts zu sich hin. Beide drehen sich im Uhrzeigersinn mit zwei Schritten wobei Uke den Fuß nur nachzieht und nicht vorsetzt. Beim dritten Schritt dreht Tori sich nicht weiter während Uke noch einen halben Schritt macht. Der letzte Schritt von Tori erfolgt mit links etwas kleiner und seitlich versetzt zu Uke in Wurfrichtung. In dem Moment, in dem Uke das Gewicht auf den linken Fuß verlagern will, bricht Tori sein Gleichgewicht mit beiden Händen nach vorn. Tori verlagert sein Gewicht auf das linke Bein und zieht Uke auf sein gestrecktes rechtes Bein. Die Zehen zeigen dabei nach innen (sonst wird daraus evtl. ein Hane-goshi). Tori wirft dann Ashi-uchi-mata indem er mit seinem gestreckten Bein Ukes linkes Bein an der Innenseite des Oberschenkels nach hinten oben fegt. Der Kopf wird dabei deutlich während Kake gesenkt.
Beim letzten Schritt schiebt Uke seinen Oberkörper nach vorne, stellt sich auf die Zehenspitzen und zieht vor allem seinen rechten Fuß auf Schulterbreite nach. Der Schlüssel liegt hier insbesondere darin, dass Tori eine kleine Kreisbewegung und Uke eine große Kreisbewegung beschreibt. Weiterhin ist vor dem Wurf darauf zu achten, dass Uke sein rechtes Bein parallel zieht und im Zehenstand den Wurf erwartet.

Jetzt folgt das Kleiderordnen.

 

4. Gruppe: Ma-sutemi-waza (gerade Opferwürfe)

In der Gruppe der Ma-sutemi-waza sind die geraden Opferwürfe zusammengefasst. Bei der Ausführung opfert Tori sein eigenes Gleichgewicht um Uke zu werfen. Inhalt dieser Gruppe sind die Würfe Tomoe-nage (Kopfwurf), Ura-nage (Rückwurf) und Sumi-gaeshi (Eckenkippe).

Tomoe-nage
Der Tomoe-nage beginnt etwa in der Mitte zwischen Ukes Grundposition und der Mattenmitte. Tori und Uke stehen sich mit einer Armlänge Abstand gegenüber. Beide greifen Kumi-kata und setzen das rechte Bein einen kleinen Schritt vor. Nun übernimmt Tori die Aktion und schiebt Uke rückwärts. Dabei setzt Tori das vorgesetzte rechte Bein einen weiteren Schritt vor, Uke nimmt entsprechend seinen linken Fuß zurück. Tori setzt anschließend das linke Bein und dann wieder das rechte Bein vor. Uke folgt entsprechend. Wenn Tori seinen linken Fuß das zweite mal vorsetzen möchte, baut Uke Gegendruck auf und will sich nicht weiter schieben lassen. Tori setzt nun das linke Bein parallel zu seinem rechten Fuß und steht nun zwischen Ukes Füßen, Uke nimmt zeitgleich seinen linken Fuß vor, so dass auch er parallel steht. Während der Beinbewegung in den Parallelstand fasst Toris linke Hand um und greift Ukes Revers. Durch den engen Stand Toris und den Doppelrevers-Griff hat Tori leichte Rückenlage. Dieses nutzt er aus und senkt seinen Schwerpunkt, Uke leistet dosierten Widerstand. Wenn Tori fasst sitzt, nimmt er seinen rechten Fuß hoch und setzt diesen zwischen Schambein und Bauchnabel mit nach oben zeigenden Zehen an Ukes Körper an. Uke macht einen großen Schritt rechts vorwärts und wird zu einer Rolle rechts geworfen. Uke schließt diesen Wurf im Stand ab.
Zu beachten ist hierbei ein ausreichend großer Schritt von Uke vor dem eigentlichen Wurf (der Fuß kommt etwa auf Höhe von Toris Hüfte). Wenn dieser Schritt zu klein ausfällt, kann Uke seine Rollhand nicht hinter Ukes Kopf aufsetzen, da sein Bewegungsspielraum zu klein ist. Die Rolle erfolgt dann nicht, wie gefordert, in Wurfrichtung sondern schräg nach vorne.

Ura-nage
Der Ura-nage beginnt in der Matten-Mitte. Uke holt wie bei Seoi-nage zum Schlag aus und geht dabei links einen Schritt vorwärts. Wenn Uke den rechten Fuß vorsetzt, springt Tori in den Schlag ein. Dabei führt er seinen linken Fuß außen an Ukes rechtem Fuß vorbei und kommt auf Höhe von Ukes Fuß zu stehen. Seinen linken Fuß setzt er tief zwischen Ukes Beine, so dass er unter Ukes Schwerpunkt kommt. Mit der linken Hand greift Tori außen an Uke vorbei auf dessen Rücken und presst seine rechte Hand von vorne auf Höhe von Ukes Bauchnabel gegen denselben. Dabei zeigen die Fingerspitzen von Tori nach oben. So wird Uke zwischen Toris Händen fixiert. Nun gibt Tori sein Gleichgewicht auf, hebt Uke im Fallen aus und wirft diesen über seinen Kopf weg. Uke bleibt nach dem Wurf liegen. Tori endet mit seiner Bewegung in der Kopfbrücke.

Sumi-gaeshi
Der Ura-nage beginnt an Ukes Grundposition und wird im Jigotai ausgeführt. Tori und Uke machen rechts einen Schritt vorwärts und stellen sich dabei breitbeinig hin, senken den Körperschwerpunkt tief ab, die Beine sind angewinkelt, die Knie nach außen gedreht, der Rücken gerade. Tori fasst mit seiner rechten Hand unter Ukes linken Arm auf Ukes linkes Schulterblatt und legt die Hand dort flach ab. Der Ellenbogen zeigt waagerecht nach außen, die Finger zeigen nach oben. Uke greift mit seiner rechten Hand ebenso. Tori legt nun seine linke Hand von außen auf Toris rechtem Oberarm, Uke greift ebenso. Der Blick geht nach links über die rechte Schulter des Partners. Tori geht nun rechts einen Schritt zurück und zieht mit der rechten Hand Uke nach, Uke macht einen Schritt vorwärts. Nun zieht Tori seinen linken Fuß parallel zu seinen rechten Fuß zurück und zieht Uke wiederum nach. Tori steht nun im Jigotai zwischen Ukes Beinen. Er behält seine Rückwärtsrichtung bei und gerät dadurch ähnlich Tomoe-nage in Rückenlage. Während des Absenkens setzt er seinen rechten Spann von innen an Ukes linken Oberschenkel und wirft Uke durch starken Zug mit den Armen und nachschieben mit dem eingehakten Bein. Uke macht wie bei Tomoe-nage einen Schritt rechts vor und fällt mit einer Rolle. Die Technik endet für Uke im Stand.
Zu beachten ist hierbei die korrekte Ausführung des Jigotai. Dieser Bedarf einer besonderen Übung. Wir finden diese Technik später beim Uki-waza wieder.

Jetzt folgt das Kleiderordnen.

 

5. Gruppe: Yoko-sutemi-waza (seitliche Opferwürfe)

In der Gruppe der Yoko-sutemi-waza sind die seitlichen Opferwürfe zusammengefasst. Bei der Ausführung opfert Tori sein eigenes Gleichgewicht zur Seite um Uke zu werfen. Inhalt dieser Gruppe sind die Würfe Yoko-gake (seitliches Einhängen / seitlicher Körpersturz), Yoko-guruma (Seitrad) und Uki-waza (Schwebe(wurf)technik).

Yoko-gake
Der Yoko-gake beginnt an Ukes Grundposition und wird im Tsugi-ashi ausgeführt. Wie vor beschrieben machen Uke und Tori drei gemeinsame Schritte mit rechts vor beginnend. Uke schiebt dabei Tori. Beim dritten Schritt setzt Tori seinen linken Fuß leicht seitlich und zieht den rechten Fuß parallel. Dabei zieht er Uke mit der linken Hand an dessen Ärmel auf Ukes rechte Seite aus dem Gleichgewicht. Die rechte Hand unterstützt diese Bewegung durch Druck in diese Richtung.
Wenn Uke aus dem Gleichgewicht gebracht ist, steht er voll auf seinem rechten Bein. Tori vollführt nun einen schnellen Annäherungsschritt indem er mit dem rechten Fuß etwas näher an Uke rangeht und mit dem linken Fuß Toris Standbein von hinten wegfegt. Dabei wird die Armbewegung vom Zug an Ukes rechtem Arm in einen Druck auf den Ellenbogen in Richtung Ukes Hüfte verändert. Uke und Tori fallen beide hin, Uke landet auf dem Rücken, Tori fällt auf die Seite. Ukes Beine bleiben gestreckt und schweben nach dem Wurf kurz in der Luft. Die Beine werden nicht hochgeschwungen. Beide verharren kurz in dieser Position und stehen anschließend gemeinsam zur Ausführung links auf.
Wichtig ist hierbei der Gleichgewichtsbruch von Uke auf das anzugreifende Standbein. Der Feger muss dynamisch und kraftvoll erfolgen. Achtung: Uke fällt bei diesem Wurf außergewöhnlich hart auf den Rücken. Er muss seine Nackenmuskulatur stark anspannen um nicht mit dem Kopf auf die Matte zu schlagen.

Yoko-guruma
Der Yoko-guruma beginnt wie der Ura-nage. Ausgangsposition und Angriff erfolgen identisch zum Ura-nage. Wenn Tori unter Ukes Schwerpunkt steht und Ukes Körper zwischen seinen Händen zum Wurf eingeklemmt hat, ändert Uke seinen Schlag plötzlich ab. Uke hat aus seinem Fehler beim Ura-nage gelernt und will verhindern, erneut mit dieser Technik geworfen zu werden. Er stoppt nun seinen Vorwärts-Schlag wenn seine Hand hinter Toris Schulter ist und ändert die Schlagrichtung in dem er die Hand nach links auf Toris rechte Schulter bringt. Hierdurch will er sich „an Tori festklammern“ um dem Wurf zu entgehen.
Tori erkennt diese List und ändert seinerseits sein Verhalten. Er schwingt nun sein rechtes Bein weit zwischen Ukes Beinen durch und wirft so nicht mehr nach hinten über seinen Kopf. Er ändert die Wurfrichtung indem er mit Hilfe des durchgeschwungenen Beins seine Bewegungsrichtung nach hinten rechts verlagert. Er wirft Uke über seine linke Schulter etwa 45° zur Kata-Achse und beendet diesen Wurf in der seitlichen Brücke auf seiner linken Schulter. Uke beendet diesen Wurf im Stand.
Wichtig ist hierbei die korrekte Ausführung des Schlages inklusive der Richtungsänderung.

Uki-waza
Der Uki-waza beginnt wie der Sumi-gaeshi an Ukes Grundposition und wird im Jigotai ausgeführt. Tori und Uke machen rechts einen Schritt vorwärts und stellen sich dabei breitbeinig hin, senken den Körperschwerpunkt tief ab, die Beine sind angewinkelt, der Rücken gerade. Tori fasst unter Ukes rechtem Arm auf Ukes linkes Schulterblatt und legt die Hand dort flach ab, Der Ellenbogen zeigt waagerecht nach außen, die Finger zeigen nach oben. Uke greift mit seiner rechten Hand ebenso. Tori legt nun seine linke Hand von außen auf Toris rechtem Oberarm ab, Uke greift ebenso. Der Blick geht über die rechte Schulter des Partners. Tori geht nun rechts einen Schritt zurück und zieht mit der rechten Hand Uke nach, Uke macht links einen Schritt vorwärts. Tori bringt Uke durch die Bewegung seiner Arme deutlich seitlich aus dem Gleichgewicht.
Uke versucht sein Gleichgewicht durch eine Bewegung zur anderen Seite wieder zu finden. Er bewegt sich aus seiner Sicht nach rechts und geht rechts einen schritt vorwärts. Tori übernimmt diese Bewegung, holt mit dem linken Bein in einem weiten Bogen Schwung und führt Uke in einer großen Bewegung in diese Richtung weiter. Die Bewegung ist dabei so groß, dass Uke sein Gleichgewicht verliert und in einer rollenden Bewegung fällt. Die Technik endet für Uke im Stand und für Tori in der seitlichen Kopfbrücke. Uke fällt etwa im 45°-Winkel zur Kata-Achse.
Wichtig sind hierbei der deutliche Gleichgewichtsbruch sowie die dynamische Bewegung mit dem Schwungbein.

 

Abschluss der Nage-no-kata

Uke und Tori gehen zu ihrer Ausgangsposition zurück und wenden das Gesicht zur Außenseite der Matte. Auf dem Weg dorthin werden bereits – wie nach jeder Gruppe – die Kleider geordnet. Nach einem kurzen verharren an dieser Position drehen sie sich gleichzeitig um. Wichtig ist dabei dass Joseki nicht der Rücken zugedreht wird. Nun gehen beide einen Schritt rückwärts, mit rechts beginnend. Daraufhin wenden sich Uke und Tori wieder einander zu und knien ab. Dabei wird das linke Knie zuerst runtergesetzt und danach das rechte. Die Zehen bleiben aufgestellt und werden erst gestreckt, wenn man sich auf die Unterschenkel setzt. Die Oberschenkel sind soweit geöffnet, dass zwei Fäuste nebeneinander dazwischen Platz finden würden, die Hände ruhen auf den Oberschenkeln.
Daran an schließt sich die Verbeugung im Sitzen (Za-Rei). Dazu werden die Hände fast in Dreieckform vor dem Körper auf den Boden gesetzt und sich dabei verbeugt. Beim Aufstehen werden zuerst die Zehen aufgestellt und dann mit dem rechten Bein zuerst aufgestanden.
Danach drehen sich beide zu Joseki und grüßen diese mit einer Verbeugung im Stehen ab (Ritsu-Rei). Dabei sind berühren sich die Fersen und die Füße sind in einem Winkel von ca. 90 Grad geöffnet. Die Hände rutschen locker an den Oberschenkeln hinab bis knapp über das Knie. Der Hals bleibt steif, der Blick neigt sich mit Verbeugen des Oberkörpers auf den Boden.
Anschließend drehen sich beide wieder einander zu, gehen mit rechts beginnend einen Schritt rückwärts von der Matte runter. Dort verharren sie kurz und grüßen die Matte im Stehen ab. Dabei gleicht diese Bewegung dem Abgrüßen von Joseki.

Nun ist der offizielle Teil der Kata abgeschlossen und beide gehen locker von der Matte.

 

Die Kommentare sind geschlossen.